Abschliessen und Akzeptanz

Ich bin der Meinung, dass jeder von uns im Laufe seines Heranwachsens Verletzungen erfahren hat.

Dabei ist es nicht zielführend, sein Leben mit anderen zu vergleichen – was ich oft in meinen Beratungsgesprächen erlebe («Aber anderen geht es noch viel schlimmer…»).

Selbstverständlich gibt es heftige Biografien und ich höre sie regelmässig. Physische und psychische Gewalt, Übergriffe, Zeugen von Selbstmorden und und und.

Menschen, die so etwas im heranwachsenden Alter erleben mussten, benötigen professionelle Unterstützung und es gibt sehr gute Angebote.

Mir geht es hier um die «alltäglichen» Dinge, die wir erleben mussten. Und oft verdrängen bzw. schönreden, da der Schmerz und die Auseinandersetzung Anfangs zu intensiv sein mag und wir unbewusst alles versuchen, uns davor zu schützen.

Ein guter Freund sagte einmal zu mir: «das hat mich nur stärker gemacht». Und auch ich habe mit meiner Biografie intensive Erfahrungen gesammelt und lange Jahre ähnliches gedacht.

Letztendlich, um mich zu schützen und weil ich noch nicht bereit war, mir das bewusst anzuschauen.

Die Folge: Ich habe Muster meiner Eltern und Bezugspersonen übernommen, die Verletzungen in mir herumgetragen und ein Verhalten gezeigt, das das alles immer wieder im Aussen gespiegelt hat.

Meine Kommunikation war aggressiv, ich war verletzend und herablassend. Weil ich mich selbst nicht lieben konnte, konnte ich so auch andere Menschen nicht lieben.

Ein heranwachsendes Kind braucht – wie alle Menschen – Liebe, Anerkennung, Wertschätzung. Es möchte gesehen werden. So wie es ist. Und nicht so, wie es seine Eltern sehen möchten (die wiederum ihre Verletzungen und gemachten Erfahrungen auf ihr Kind unbewusst projizieren).

Doch wir erfahren nicht immer diese Liebe, Anerkennung und Wertschätzung (oder wie oben geschildert, gerade das Gegenteil davon).

Ich bin aufgrund meiner eigenen Erfahrung als auch in der Zusammenarbeit mit hunderten von Klienten zum Schuss gekommen, dass wir erst Selbstliebe entwickeln können, wenn wir Altes liebevoll abschliessen können. Auf einer Herzenseben, nicht mit dem Verstand.

Viele Therapeuten empfehlen, zu verzeihen. Dies ist ein wundervoller, ja magischer Moment und kann sehr vieles Auflösen. Wenn er denn vom Herzen kommt.

Wird der Vorgang des Verzeihens jedoch auf einer rational-kognitiven Ebene durchgeführt (und vielleicht sogar in einem klärenden Gespräch ausgesprochen), ist er meines Erachtens wenig wert.

Weil vielleicht ganz tief noch etwas schlummert, was noch zu weh tut und immer noch tief vergraben oder «zubetoniert» ist.

Auch hier bin ich zum Schluss gekommen, dass es nicht immer sinnvoll ist, noch tiefer im Dreck zu wühlen. Sondern manches «einfach» da zu lassen, wo es ist. Wenn die Zeit gekommen ist, wird es sich öffnen und kann sich auflösen. Manchmal ist es jedoch zu intensiv und es ist besser es dort zu belassen.

Was wir aber bewusst üben können, ist, das Vergangene abszuschliessen.

Denn das Alte prägt uns tief und hindert uns, uns wahrhaftig selbst lieben zu können. Es holt uns im Alltag immer wieder bewusst oder unbewusst ein.

Ich benutze hier in meinen Beratungen einen für mich elementaren Satz, eine Zauberformel: «Jetzt ist eine andere Zeit».

Wenn wir üben, zu akzeptieren, dass wir eben diese Eltern/Grosseltern/Lehrer usw. hatten, dass wir diese und jene Erfahrung gemacht haben und es – warum auch immer (auch das ist in diesem Moment nicht wichtig) – seinen Sinn damals hatte, können wir Frieden schliessen.

Ohne alles zu verstehen und Begründen zu können. Es ist Vergangenheit.

Es ist vorbei. Jetzt ist eine andere Zeit.

Somit kommen wir in die Freiheit und sind nicht mehr gebunden an alte Erfahrungen und Erinnerungen. Und können endlich beginnen uns selbst zu lieben.

Dies ist nicht einfach und es kann lange dauern. Ich persönlich habe drei Jahrzehnte (!) versucht, meine Familiengeschichte aufzuarbeiten (ich bin als Kriegsenkelkind massiv von den Erfahrungen meiner Grosseltern im Krieg, die sich wiederum auf ihre Kinder, also meine Eltern, abgefärbt haben, geprägt und traumatisiert). Ich habe scheinbar alles versucht: Regelmeterweise Bücher gelesen, verschiedenste Therapien absolviert, Familienaufstellungen gemacht. Bis eines Tages in einer Meditation tief aus meinem innersten die Stimme kam: «Es ist vorbei».

Ab diesem Moment spürte ich Leichtigkeit.

Es war nicht mehr wichtig, warum ich dieses und jenes erfahren hatte. Es war nicht wichtig, warum meine Eltern so und so waren, warum sie dieses und jenes getan, gesagt haben.

Es war vorbei.

Und ab diesem Moment konnte ich Frieden schliessen, meine Vergangenheit abschliessen, es akzeptieren, mich von alten Verstrickungen lösen und mich fortan dem Menschen widmen, der am wichtigsten auf der Welt ist: Ich selbst.

ÜBUNG 

Ziehe Dich zurück, setze Dich aufrecht hin, atme einige Male tief ein und aus. Stelle Dir folgende Fragen und lass Dir Zeit mit der Beantwortung und spüre, wo die Resonanz am grössten ist:

  • Wovon bist Du noch abhängig?
  • Passt Du Dich eher an?
  • Fällt es Dir schwer, Dich abzugrenzen oder Deine eigene Meinung zu sagen?
  • Erkennst Du ein Muster in Deinen Beziehungen (ganz gleich ob in Deinen Liebesbeziehungen, zu Deinen Eltern, Geschwistern, Freunden, Kollegen, Vorgesetzten)?
  • Begibst Du Dich manchmal in eine Opferrolle und fühlst Dich unbewusst wohl darin?
  • Hast Du Angst davor, Dich aus einer Beziehung zu lösen die Dir nicht guttut?
  • Wärst Du gerne unabhängig oder frei, spürst aber gleichzeitig die Angst vor einem Leben in Freiheit (es könnte ja so viel schiefgehen)?
  • Reagierst Du eher trotzig? Oder bevorzugst Du gerne das Gegenteil von dem zu machen, was Dir gesagt wird, weil es Dich an die Bevormundung in Deiner Kindheit erinnert?
  • Zeigt sich Deine innere Unzufriedenheit und Dein Trotz im Alltag?
  • Versuchst Du Deine Gefühle zu kompensieren oder gar zu betäuben?
  • Hast Du das Gefühl, nicht genug zu bekommen (sei es materiell oder Liebe, Anerkennung usw.)?
  • Kurzum: bist Du noch abhängig von gemachten Erfahrungen aus Deiner Kindheit?
  • Und: Bist Du bereit, das Alte loszulassen und zu akzeptieren, wie es ist und Dich fortan um Deine Entwicklung zu kümmern?
  • Bist Du bereit, Dir ab heute diese Liebe, Wertschätzung und Anerkennung zu schenken, die Du vielleicht früher nicht bekommen hast?
  • Bist Du bereit, Dich selbst zu lieben – so wie Du bist?

Dies ist ein Auschnitt aus meinem Online-Training "Selbstliebe - Endlich ein Leben in Fülle und Zufriedenheit! Wenn Du Dich mehr damit auseinadersetzen und konkret etwas für Deine Selbstliebe tun möchtest, schau doch mal vorbei:

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