DIE ESSENZ DES YOGA: DIE STILLE UND DAS ERKENNEN

Nach der Einführung und die Hervorhebung des "Jetzt" setzt Patanjali sein  Yoga Sutra mit zwei weiteren essentiellen Sutras (kurze Leitsätze,  wörtl. "Faden") fort:

Yogas cittavrittinirodah und Tada drastuh svarupe´vasthanam

In meinen Yogaklassen und Seminaren benutze ich dabei gerne folgende (zugegebenermassen etwas blumige) Analogie als Annäherung an eine Übersetzung: Der Zustand des Yoga ist, wenn die Wellen des Geistes zur  Ruhe kommen und wir den Grund unseres Seins erblicken können.

Yoga ist also viel mehr als nur Körperübungen und Gymnastik. Es ist - zumindest im klassischen Sinne - Geistesschulung. Unser Leben ist bestimmt von Erfahrungen, Prägungen und Mustern ("vrittis"), welche uns oft unbewusst leiten. Wir glauben Dinge, welche wir früh und immer wieder gehört haben. Wir müssen perfekt sein. Wir müssen lieb und nett sein. Wir dürfen keine Schwäche zeigen und alles selbst lösen. Uswusf.

All dies findet im sog. "Geist" statt ("citta"), der Ort unseres Denkens, unserer Erinnerungen, Wahrnehmungen, Gefühle aber auch unseres "Ichs"  oder Ego (der yoga nennt dies ahmakara, der "Ich-Macher"). Werden die Aktivitäten des Geistes zu intensiv (durch z.B. zu viele Sinneseindrücke, zu viel Reden, Nachdenken, Grübeln usw.) führt dies zu  leidvollen Erfahrungen (dazu später mehr, die kleshas, störenden  Kräfte).

Es geht also im Yoga darum, den Geist zu beruhigen. Um dann tiefer erkennen zu können ("drastuh"; "der Seher" kommt dann zum Vorschein).  Dies ist weniger ein rational-kognitiver Vorgang, sondern eine Erfahrung, die uns die Meditation schenkt.

ÜBUNGEN

Bevor wir jetzt weiter darüber philosophieren, helfen Dir folgende Übungen:

  1. An welchen Orten, Situationen, bei welchen Übungen kommst Du zur inneren Ruhe?
  2. Hast Du schon mal eine Situation erlebt, an dem Du in der Erfahrung der Stille (dies muss nicht zwingend eine Meditation sein) Klarheit und Erkenntnis gewonnen hast? In dem Du "tiefer" gesehen hast? Was war da genau?
  3. Setze Dich aufrecht hin und atme ein paar Minuten tief und zugleich sanft und  langsam. Komme dann zu Deinem natürlichen Atem zurück, bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit ein paar Minuten bei Deinem Atem. Richte dann Deine Aufmerksamkeit auf die Stille und nimm sie bewusst wahr. Sobald ein Gedanke, ein Gefühl, eine Bewertung oder was auch immer kommt: nimm es wahr, ohne es zu bewerten. Versuche dann wieder liebevoll in die Stille zu kommen (Dein Atem hilft Dir dabei)
  4. In einer nächsten Übung (nach mehrminütigem bewusstem tiefem, langem und sanftem Atmen) gestattest Du Dir, Deine Gedanken bewusst abschweifen zu lassen, ohne sie "festzuhalten" und ohne zu bewerten, was ist. Schau den Gedanken, den Bildern, den Gefühlen als Beobachter zu. Wenn sie wieder verschwinden, kehrst Du sanft zu Deinem Atem zurück - einer sanften Pendelbewegung ähnlich. Nach und nach wird es immer Stiller und Ruhiger.
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